Technik Tales

KDK/Paddy

Episode 62 - Von der Laus zur Schallplatte

Die unglaubliche Geschichte des Schellacks

14.06.2026 50 min

Zusammenfassung & Show Notes

Bevor Kunststoffe unseren Alltag bestimmten, gab es einen Werkstoff, der Möbel glänzen ließ, Schallplatten zum Klingen brachte, Briefe versiegelte und elektrische Geräte isolierte: Schellack. 
Heute erlebt dieses fast vergessene Naturmaterial sogar eine Renaissance in der nachhaltigen Elektronik.
Die Geschichte beginnt bei der Lackschildlaus. Die nur wenige Millimeter großen Insekten leben vor allem in Indien und Thailand und scheiden ein Harz aus, das sie und ihre Eier schützt. Dieses Harz wird von den Ästen abgekratzt, gereinigt und durch Erhitzen zu den bekannten Schellack-Flocken verarbeitet.
Schon im 19. Jahrhundert wurde Schellack vielseitig genutzt. Besonders beliebt war er als Möbelpolitur, die Holzoberflächen einen tiefen Glanz verlieh. Außerdem war er ein wichtiger Bestandteil von Siegellack, mit dem Briefe und Dokumente verschlossen wurden.
Seine größte Bedeutung erlangte Schellack jedoch in der Tonaufzeichnung. Bis in die 1950er-Jahre bestanden die meisten Schallplatten aus einer Mischung mit hohem Schellackanteil. Diese 78-Umdrehungen-Platten machten Musik erstmals massenhaft verfügbar, waren jedoch schwer und zerbrechlich. Erst Vinyl verdrängte sie schließlich vom Markt.
Auch in der Elektrotechnik spielte Schellack eine wichtige Rolle. Aufgrund seiner guten Isolationseigenschaften wurde er zum Schutz von Spulen, Transformatoren und anderen elektrischen Bauteilen verwendet – lange bevor moderne Kunststoffe verfügbar waren.
Mit dem Siegeszug synthetischer Materialien verlor Schellack viele seiner Einsatzgebiete. Ganz verschwunden ist er jedoch nicht. Bis heute wird er bei der Restaurierung von Möbeln, im Instrumentenbau sowie als Überzug für Medikamente und Süßwaren eingesetzt.
Besonders interessant ist sein mögliches Comeback in den sogenannten Green Electronics. Forscher untersuchen, ob Schellack als biologisch abbaubare Isolationsschicht oder als Trägermaterial für elektronische Bauteile genutzt werden kann. Da er aus einer nachwachsenden Quelle stammt und gute elektrische Eigenschaften besitzt, könnte er helfen, den wachsenden Elektroschrott zu reduzieren.
Schellack zeigt damit eindrucksvoll, wie ein jahrhundertealtes Naturmaterial auch in modernen Technologien eine neue Rolle finden kann – von der Lackschildlaus über die Schellackplatte bis hin zur nachhaltigen Elektronik der Zukunft.

Landung der Ilyushin IL-62 in Stölln
Sendung mit der Maus -  Wie werden Schallplatten gemacht?

 

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